Kirchenpflegerklagelied

Erstmals vorgetragen bei der Tagung in Bad Urach 2013

 

 

1. I wenn i Geld gnuag hädd, no wißt i was i däd, no wißt i was i däd, heißa juchee!

 I däd statt repariera mei ganza Kirch saniera, mei ganza Kirch saniera, oh dees wär schee!

 

2. A neia Farb miast drauf bis hoch zom Gigger nauf, bis hoch zom Gigger nauf, heißa juchee! Ziagl leseeat sich scho auf, es kommet neue drauf, Solare kommt au no nauf, oh dees wär schee!

 

3. Ond enna wirds modern, mr hättet längscht scho gern, mr hättet längscht scho gern a paar neue Töö. Dr Beamer wirft an d´ Wand, Lieder, die kaum bekannt, Lieder, die kaum bekannt ond dees wär schee!

 

4. No miaßt a Heizung nei, mit Pelletts miaßt se sei, mit Pelletts miaßt se sei, die wärmt no meh. No wär´s em Wendr warm, ond i werd nemme arm, ond i werd nemme arm, oh dees wär schee!

 

5. No miaßt en Pfarrer nei, ganz aufrecht miaßt er sei, ganz aufrecht miaßt er sei, en Spass versteh´. Ond droht dr Pfarrplo no, mir phaltet eh no do, mir phaltet ehn no do, oh dees wär schee!

 

6. Aber i han koi Geld, gibt uff dr ganza Welt, gibt uff dr ganza Welt, ärmers nex meh.

I glaub, i zend se oh, sie brennt ab lichterloh, sie brennt ab lichterloh, no isch se hee.

 

7. No kämm d´Versicherong ond zahlt sich domm ond kromm, no käm dr Architekt mit neie Pleeh´.

Ond über oi-zwoi Johr, ständ´s Gmoindezentrum do, ständ´s Gmoindezentrum do – so wonderschee.

 

Gedicht vom Kirchenpfleger/Kirchenpflegerin

 

 

Wer pflegt und pflegt und pflegt und pflegt

in unserer Kirchen unentwegt?

Wer pflegt am Abend und am Morgen?

Wer muss bei uns für alles sorgen?

Wer kümmert sich um jeden Krempel,

um dies und jenes zum Exempel:

wer pflegt im Großen und im Ganzen

die ganzen christlichen Finanzen,

Kollekten, Spenden, Zuschussmittel,

mit und ohne Haushaltstitel.

 

Wer pflegt die kirchlichen Gebäude?

Und wen vergoschen alle Leute,

wenn er dabei,  was seine Pflicht,

auch hie und da vom Sparen spricht?

Wer pflegt Kontakt zu Kirchenräten,

zu Pfarrern, Schultes, Land und Städten?

Wer schafft und schuftet wie ein Gaul

und wer verbrennt sich gern das Maul

im Umgang mit den Chefs, den vielen

und sitzt meist zwischen allen Stühlen?

 

Wer hält das Denkmalamt bei Laune?

Wer hält die Pfarrersleut im Zaume,

wenn sie vor lauter Lust am Bauen

ihm noch die letzten Mäuse klauen?

Wen plagen abends noch um zehne

Statistiken und Haushaltspläne,

während andre sich dagegen

schon längst zur Ruhe legen pflegen?

 

Wer pflegt die Damen aller Arten

In Sozialstation und Kindergarten,

die ihrerseits mit seinem Segen

hinwieder Kind und Omas pflegen?

Wer pflegt des Pfarrers Sekretärin

und wer die Erbschaftsmillionärin?

Und wer kennt ganz genau die Frau

Vertreterin der MAV?

Das alles macht kein Schürzenjäger

sondern unser Kirchenpfleger.

 

Doch wer pflegt dessen graue Haare,

die ihm wachsen durch Bazare,

Gemeindefest und dies und das,

was seinem Pfarrer grad macht Spaß?

Wer pflegt zu tagen Tag und Nacht,

weil Sitzung sitzen Freude macht,

allen, die zu sein´m Entsetzen

viel und gern und lange schwätzen?

Wer sollt´ in jedem Ausschuss hocken,

dass sie ihm nicht alls verbocken

und er muss dann mit großem Fleiß

in Ordnung bringen jeden Dreck?

 

Wer sollte niemals Urlaub machen?

Wer pflegt bloß grimmig noch zu lachen

über all den Freizeitsegen,

welchen andre selig pflegen.

Wer hat nirgends eine Lobby

und wer pflegt schon längst kein Hobby

mehr, weil seine Zeit

gehört der ganzen Christenheit.

Wer zählt auch keine Überstunden,

wenn er kämpft sich um die Runden

und statt Lob kriegt bestenfalls

immer noch eins an den Hals.

 

Wem pflegt man alles aufzuladen

und wer muss jeden Dreck ausbaden,

den andere sich ausgeheckt,

weil der, der wo die Kirche pflegt

nicht eher kommen soll zur Ruh,

bis dass man macht den Deckel zu,

weil er sich´s anders überlegt´

und seine ewge Ruhe pflegt.

 

Erst dann wird nicht mit Lob gespart,

mit Dankesreden aller Art.

Dann preist man ihn – und das nicht wenig –

hoch über jeden Schellenkönig.

Man rühmt dann seinen Sachverstand,

nennt ihn beliebt und anerkannt,

lobt seine vielen Qualitäten

als Berater von den Räten,

als Chef, als Christ und als Kollege,

als bestes Stück der Kirchenpflege.

 

Und mit vielen schönen Worten

kriegt posthum er noch ´nen Orden

Der auch noch in den Sarg gelegt

Zum Dank dass er die Kirch´ gepflegt.

Dazu gibt’s Kränze jede Menge

und erhabene Gesänge.

Ja, alle woll´n dann sein gedenken,

wenn sie ihn ins Grab versenken.

 

Und mancher schlägt, man glaubt es kaum,

vor Lob schier einen Purzelbaum.

Vom Pfarrer bis zum Leichenträger

Alles rühmt den Kirchenpfleger

So sehr, dass, wär´er nicht verblichen,

er bei soviel feierlichen

Reden könnt kaum widersten´,

sich schnell im Grabe rumzudrehn´,

weil ihm wird von alldem schlecht,

was vielleicht gewesen recht

einst als er noch, der arme Wicht,

tat seine Kirchenpflegerpflicht.

 

Drum, ihr lieben Amtskollegen

Aus Verwaltungsstell´ und Kirchenpflegen

hofft zu sehr nicht auf den Segen,

der euch frühstens wird erreichen

einmal als Kirchenpflegerleichen.

Tut lieber treu die Kirche pflegen

fünfzig Stunden meinetwegen

in der Woche oder mehr

ohne Murren wie bisher.

Und bleibet immer brav im Rahmen,

hoch leb die Kirche! Fertig! Amen!